Das irische „Musikohr“

 

Notenlesen lernen – das ist das kleine Übel, das man am Anfang seiner Musikkarriere über sich ergehen lassen muss. Notenlesen lernen braucht ein bisschen (funktioniert aber ganz einfach mit der Hilfe unserer Lehrer hier!), doch es jagt so manchem Anfänger erst mal etwas Angst sein. Doch es gibt Musiktraditionen, in denen Notenblätter sehr lang überhaupt keine Rolle spielten, und alle die Lieder nur mit ihrem Gehör lernten. Deshalb werfen wir heute einen Blick auf die irische Volksmusik.

 

Irische Volksmusik – kurzer Einstieg

 

Die irische Volksmusic hat eine sehr lange Tradition und ist über 2,000 Jahre alt, das wichtigste Instrument war die Harfe. Ab dem Mittelalter gab es viele professionelle Harpisten, die als Hofmusiker in einem Schloss lebten und für die Abendunterhaltung bei Bier und Wien zuständig waren (also genauso, wie es heute noch in vielen Dorfkneipen in Irland üblich ist!). Eine Musikerkarriere fing an, wenn ein Junge extrem jung war, und sein Meister brachte ihm alle Musik ohne Noten bei – viele Musiker konnten nicht lesen, und einige von ihnen waren sogar blind. Für blinde Menschen war eine Karriere als Musiker eine gute Option, und sie waren in der Gesellschaft sehr hoch angesehen.

 

Irische Musik im Exil und Überall

 

Nachdem die Clanchefs von den Engländern aus Irland vertrieben wurden, wurde auch die irische Musik verboten. Doch die irische Volkmusik war stärker als die Eroberer. Sie lebte in den Köpfen und Herzen der Iren weiter, und als diese nach Amerika und in die ganze Welt auswanderten, nahmen sie ihre Musik mit. Seit 1920 in Amerika die irische Musik mehr und mehr Bekanntheit gewann, ist die ein fester Teil der weltweiten Musikszene, und Künstler wie The Dubliners und Flogging Molly machen sie noch heute für jedermann hörbar und erlebbar. Und mal ehrlich: wer kann einem guten Reel oder Jig schon wiederstehen?

 

Orale Tradition ohne Noten

 

Wie wir schon erwähnt haben, wurde irische Musik völlig ohne Noten gespielt und gelernt. Das kam daher, dass die Volksmusik von Anfang an eine orale Tradition war und mündlich weitergegeben wurde – ganz ähnlich wie die Märchen und Volkssagen, die erst von den Brüdern Grimm schriftlich festgehalten wurden. Die orale Tradition machte die Musik lebendig, und sie befand sich immer im Wandel – jede Stadt, jeder Musiker hatte seine eigene Interpretation der bekannten Themen und spielte sie so, wie er sie spielen wollte – also komplett anders als die klassische Musik, bei der jede Note genau richtig wiedergegeben werden muss!

 

Irische Noten und irische Volksmusik heute

 

Es war erst Ende des 18. Jahrhunderts, dass die ersten Menschen begannen, irische Musik niederzuschreiben und zu sammeln, da sie Angst hatten, dass die Tradition für immer verloren geht. Und das war auch richtig so: andernfalls wären heute sehr viele Lieder für immer verschwunden. Heute kann man sehr viele der Lieder auch online finden in großen Datenbanken, doch die orale Tradition ist immer noch sehr deutlich: von jedem Lied gibt es hunderte verschiedene Varianten, aus denen man sich eine aussuchen kann. Doch Studenten der irischen Volksmusik wird bis heute beigebracht, dass der beste Weg, neue Lieder zu lernen, der ist, sich in ein Pub zu setzen und den alten Meistern beim Spielen zuzusehen: genau so, wie es schon seit hunderten von Jahren gemacht wurde.

 

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